Pfarrkirche St. Laurentius

Die Kirche St. Laurentius

14 Jahre Warten auf Weihe der Kirche

Der 9. Juni 1907 war für die Mechtersheimer Katholiken ein großer Festtag: Mit der feierlichen Weihe der Kirche St. Laurentius durch Bischof Konrad von Busch fanden die jahrzehntelangen Anstrengungen der Gemeinde zur Errichtung eines eigenen Gotteshauses ihren endgültigen Abschluss. Fertiggestellt und in Dienst genommen war die Kirche zu diesem Zeitpunkt allerdings schon seit 14 Jahren. Deshalb konnte die Pfarrei Mechtersheim bereits 1993 das hundertjährige Jubiläum ihrer Kirche feiern.

Der Grund für die lange Zeitspanne zwischen Fertigstellung und Weihe der Kirche lagdarin, dass Mechtersheim damals keine eigenständige Pfarrei war, sondern nur Filiale vonHeiligenstein. Eine feierliche Kirchweihe (Konsekration) durch den Bischof stand zu dieserZeit aber nur den eigentlichen Pfarrkirchen zu. So wurde die neue Mechtersheimer Kirche am 26. November 1893 lediglich “benediziert”, das heißt gesegnet - und zwar durch den damaligen Dekan des Dekanates Speyer, Geistlicher Rat Ernst Ripplinger aus Schifferstadt. Ein Jahrzehnt später, 1905, brach jedoch Bischof von Busch mit der alten Gewohnheit, als er die Kirche in Maxdorf, damals Filialkirche von Lambsheim, konsekrierte. Den Mechtersheimern blieb dies nicht verborgen. Sofort wurden sie beim Bischof vorstellig und erbaten sich die gleiche Gunst. Dieser sagte zu und löste am 9. Juni1907 sein Versprechen ein.

Kirchenbau mit langer Vorgeschichte

Bevor Mechtersheim 1958 zur Kuratie und damit zur eigenständigen Seelsorgestelle mit einem eigenen Pfarrer erhoben wurde, war es in seiner langen Geschichte offensichtlich nie eine selbständige Pfarrei gewesen. Jahrhundertelang hatten Eußerthaler Mönche die Mechtersheimer betreut, obwohl die Siedlung zur Pfarrei Heiligenstein gehörte. Die schon 1251 urkundlich erwähnte Kapelle am Ort wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört.

Zuvor schon, in der Reformationszeit, hatten sich die Pächter der Mechtersheimer Klostergüter dem neuen protestantischen Bekenntnis angeschlossen. Doch 1707 gab es in Mechtersheim schon wieder 30, 1802 sogar 141 Katholiken, die von Lingenfeld aus seelsorglich betreut wurden. 1822 kehrten die Mechtersheimer Katholiken zu ihrer alten Mutterpfarrei Heiligenstein zurück. Nun setzten auch die Bemühungen um ein Gotteshaus wieder ein. Zunächst teilten sich von 1829 an Protestanten und Katholiken einen gemeinsamen Betsaal. Sonntags aber mussten die Mechtersheimer immer noch nach Heiligenstein in die Messe.

Da die Zahl der Katholiken schnell wuchs - 1855 sind es schon 500 - wurden auch die Gesuche um eine bessere pastorale Versorgung immer häufiger. Der größte Wunsch blieb aber ein eigenes Gotteshaus. Um die Sache voranzutreiben und die nötigen Spendengelder zu beschaffen, wurde am13. März 1860 ein Kirchenbaufond gegründet, 1881 auch ein eigener Kirchenbauverein, von dessen Mitgliedern allsonntäglich Beiträge erhoben wurden. So kamen bis Januar 1883 beinahe 11 500 Mark zusammen. Eine Aufstockung um weitere 10 000 Mark verdankte der Fonds dem Rentner Lorenz Lehr aus Heiligenstein, der testamentarisch der Mechtersheimer Kirche rund zwei Hektar Äcker und ein Stück Weinberg sowie alle seine Kapitalien vermachte. Verbunden damit war die Bedingung, die neue Kirche dem Namenspatron des Erblassers, dem heiligen Laurentius zu weihen.

1885 konnte schließlich ein geeigneter Bauplatz in der Holzgasse erworben werden. Doch dauerte es noch einmal sieben Jahre, bis am 23. März 1892 die Baugenehmigung der Bezirksregierung vorlag. Jetzt aber ging es schnell: Schon am 12. Juni wurde die Grundsteinlegung vorgenommen und in Rekordzeit der Rohbau hochgezogen. Am 6. November 1892 berichtete die Bistumszeitung “Der christliche Pilger” von der Aufrichtung des Turmhelmes. Die Kosten für den Rohbau einschließlich des Schieferdaches werden in dem Artikel mit 24 500 Mark beziffert. Bis zur Benediktion im November des Folgejahres war auch die Inneneinrichtung weitgehend abgeschlossen und sogar die drei Glocken taten bereits ihren Dienst.

Der große Festtag der Kirchweihe

Dennoch wies die Ausstattung der Kirche noch Lücken auf, und so standen in den folgenden Jahren bis zur Weihe der Kirche noch einige große Anschaffungen an. 1894 wurden die Kommunionbank und 38 Kirchenbänke erworben. Es folgten 1899 ein Beichtstuhl, 1902 die beiden Seitenaltäre.

Ein weiterer Wohltäter, Prälat Josef Bischoff, ermöglichte es, dass ein Pfarrhaus gebaut werden konnte. Damit verbunden war wohl die Hoffnung, so schneller zu einem eigenen Seelsorger am Ort zu kommen. Ein unverhofftes Problem tauchte aber bei den unmittelbaren Vorarbeiten zur Kirchenkonsekration auf: Als man am Mittwoch vor dem Weihesonntag die Holzverkleidung des Hochaltars abnahm, zeigte sich, dass der ganze Altarunterbau aus Backsteinen aufgeführt war. Das entsprach nicht ganz den Vorschriften, nach denen ein Altar aus “Naturstein” sein musste. Kurzentschlossen wurde der Bildhauer Renn in Speyer beauftragt, vier steinerne Eckposten als Träger der Altarplatte herzustellen, die dann zwei Tage vor der Feier eingesetzt werden konnten. Der Konsekration durch den Bischof stand nun nichts mehr im Weg. Über diesen großen Festtag vermerkt der “Christliche Pilger” vom 16. Juni 1907:

“Das ganze hübsche Dorf in der Rheinniederung prangte im Festesschmucke, und auch die protestantischen Mitbürger hatten, der Aufforderung ihres Herrn Pfarrers entsprechend, ihre Kirche und Häuser festlich geziert, und auch sie begrüßten ehrerbietigst den hochwürdigsten Herrn Bischof. Es war dies ein erfreuliches Zeugnis eines friedlichen bürgerlichen Zusammenlebens, freilich auch ein Akt der Dankbarkeit für die seinerzeitige Höflichkeit der Katholiken bei der Besitznahme der protestantischen Kirche durch die Protestanten.”