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In dieser Übersicht finden Sie alle Gemeinden / Ortschaften die zur Pfarrei Dudenhofen Hl. Hildegard von Bingen gehören.

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Samstag, 01. April 2017

Ostergedanken 2017

Kreuz

Joan Baez, die bekannten Folksängerin der 60er und 70er Jahre, sagte einmal „Du kannst nicht wählen wie du stirbst und wann. Aber du kannst bestimmen, wie du lebst. Jetzt!“ Den Tod können wir vielleicht dann eher annehmen, wenn wir nicht nur den Verlust sehen, den er mit sich bringt, sondern auch das in den Blick nehmen, was uns nach dem Tod von Gott her erwartet. Dann kann sich sogar schon eine kleine Vorfreude in die Angst vor dem Tod mischen. Und das kann man schon einüben, bevor die Todesangst kommt: „Ungeahnt Neues kann in Liebe erprobt und eingeübt werden, auch der Sieg des Lebens über den Tod. Das auszukosten, ist wie eine Verlobungszeit vor einer glücklichen Heirat!“ (Friedrich Haarhaus).

Der Tod letztendlich ist eine Beziehungskrise. Er trennt alle, die bisher aufeinander bezogen waren, die in Beziehung standen: Ehepartner, Eltern und Kinder, Verwandte, Freunde ...  „Ich hätte dich doch noch so gebraucht!“ – dieser Hilfeschrei einer Frau am Grab ihres Mannes, der wenige Minuten vor seinem 48sten Geburtstag einfach tot zusammenbrach, dröhnt mir noch in den Ohren. Tod ist immer auch der Tod von Beziehungen. Das letzte Wort ist gesprochen, der letzte Kuss ist gegeben, auch der letzte Streit ist vorüber und es gibt keinen Weg mehr ihn beizulegen. Es gibt kein Zurück mehr. Auf beiden Seiten bringt der Tod den Tod, auf der Seite derer, die sterben, und auf der Seite derer, die zurückbleiben; den Tod der Beziehung. Es stirbt immer etwas mit. Kein Wunder, dass der Evangelist Matthäus den Tod Jesu mit einem Erdbeben vergleicht.

Deshalb finde ich den Spruch zum Tag von Joan Baez, so treffend: „Du kannst nicht wählen wie du stirbst und wann. Aber du kannst bestimmen, wie du lebst. Jetzt!“ Für viele, die meisten, ist das der Stein, der sie hindert zu leben: die Angst, nicht geliebt zu werden. Die Angst wenig wert, nicht liebenswert zu sein. Und die falsche Antwort, die sie darauf geben, ist zu beweisen, dass man etwas wert ist: Erfolg im Beruf, Geld, Leistung. Aber spätestens dann, wenn man merkt, dass man sich mit Geld und Leistung das allerwichtigste im Leben nicht kaufen kann, dann müsste man doch die Blickrichtung ändern und anfangen zu leben, worauf es wirklich ankommt: nämlich auf Beziehung, Liebe und Nähe. Da müsste mancher vielleicht sein Leben von Grund auf ändern. Aber das ist ja möglich. Jesus hat es uns am Gründonnerstag gezeigt, worauf es im Leben ankommt: „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe!“

Und so ist die überraschende Erkenntnis von Ostern: Es gibt ein Leben vor dem Tod! Beziehung, Liebe und Nähe ist  JETZT schon möglich. Und es ist heute und jetzt möglich, das was in der Beziehung nicht stimmt, in Ordnung zu bringen. Jesus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ – für Jesus ist die Wahrheit immer so wichtig, wenn es um das Leben geht, damit wir im Leben ehrlich miteinander umgehen, dass wir wissen, woran wir miteinander sind und dass wir uns nichts vormachen: das kann manchmal sehr weh tun – aber es bewahrt uns in dem Augenblick wenn es darauf ankommt, vor der ganz großen Enttäuschung. Wenn wir so ehrlich mit uns selber und anderen sind und versuchen das, was Jesus uns aufgetragen hat, ins unser Leben hineinzunehmen, dann kann wirklich geschehen, dass wir „Ungeahnt Neues kann in Liebe erproben und einüben, auch der Sieg des Lebens über den Tod. Das auszukosten, ist wie eine Verlobungszeit vor einer glücklichen Heirat!“

Aber das alles, was ich bisher gesagt habe, wäre leeres Geschwätz, wenn es Ostern nicht gäbe, wenn nicht wahr wäre, was wir an Ostern feiern: „Der Herr ist auferstanden! -  „Er ist wahrhaft auferstanden! – Die Auferweckung Jesu am Ostermorgen in Jerusalem drei Tage nach der furchtbaren Hinrichtung ist eine Tatsache. Erst bei der Frage, ob das für mich heute eine Bedeutung hat, beginnt der Glaube. Ich glaube, dass diese wahrhaftige Tatsache eine Bedeutung für mich hat, auch noch 2000 Jahre nach dem Geschehen. Wenn Jesus auferstanden ist, dann ist nichts, wirklich nichts ohne Hoffnung! Für alles gibt es eine Hoffnung. Für mein Leben, hier und jetzt. Sogar für meinen Tod. Und so kann auch Dein Stein, der dich niederdrückt, der dein Leben unter Verschluss halten will, der zwischen dir und dem Leben steht, vom Engel Gottes weggewälzt werden. Aber wie der Tod Jesu ist auch seine Auferstehung von einem Erdbeben begleitet. Und auch wir müssen auf Erschütterungen gefasst sein, wenn wir auf die Spur der „wahren Lebens“ kommen, wenn wir vom Tod in das Leben hinübergehen.

 

Pfarrer Kolb

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