Die Geschichte des Tschernobyl-Kreises in Berghausen

Als am 26. April 1986 der Block IV des Kernkraftwerkes in Tschernobyl in der Ukraine außer Kontrolle geriet, nahm eine der schlimmsten von Menschenhand verursachte Katastrophe ihren Anfang.

Wolken mit hochaktiven Radioisotopen regneten hauptsächlich über der Republik Weißrussland ab. Schließlich  waren die radioaktiven Stoffe aus dem Reaktor in der gesamten Welt nachweisbar. Noch viele Jahre nach dem Unfall wird die Zahl der zu erwartenden Opfer durch Spätfolgen weiter zunehmen: Als schwächstes Glied sind hier die Kinder die am meisten Betroffenen. 

Vitaminreiche Kost und viel frische Luft tragen dazu bei, dass sich das durch den ständigen Kontakt mit Radioaktivität extrem belastete Immunsystem erholen kann. Die Welle der Hilfsbereitschaft wird durch die Anwesenheit der Kinder gesteigert. Die Verbindungen und Patenschaften, welche sich ergeben, sind wichtig für die Psyche der Kinder und stärken wiederum auch auf diese Weise das Immunsystem.

Somit haben sich die Genesungsaufenthalte der Kinder als eine der wirksamsten Formen der Hilfe für das leidgeprüfte Weißrussland erwiesen.

Günstige Prognosen

Die Kinder bzw. deren Eltern stammen größtenteils aus Regionen, die großen Strahlenbelastungen ausgesetzt waren und noch sind. Umsiedlungsaktionen waren nur teilweise durchgeführt worden. Jedoch kehrten viele Menschen in ihr ursprüngliches Heimatdorf wieder zurück. Mehrmals waren schon Voll-und Halbweisen aus Internaten bei uns. Der Ferienaufenthalt soll helfen, das Immunsystem der Kinder  zu stabilisieren. Die Selbstheilkräfte der Kinder sollen aktiviert und gestärkt werden. Die Prognose für die weitere gesundheitliche Entwicklung ist dadurch günstig. Wir bekommen berichtet, dass die Kinder nach einem Ferienaufenthalt weitaus weniger erkranken.

Über die Kinder werden auch Kontakte zu Eltern und Bekannten geknüpft. Neben dem caritativen Charakter zeigt hier unsere Aktion weitere Dimensionen in Hinblick auf Völkerverständigung auf.

Wie unsere Aktion entstand

Staatliche Hilfen setzten nur zögerlich ein. Es bildete sich aber ein Netzwerk von privaten und auch kirchlichen Initiativen. Bei einem Besuch mit Jugendlichen in der Dompfarrei Oppeln 1990  fand  der damalige Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Paul Neumann Kontakt zu den dortigen Aktivitäten zur Hilfe der Kinder nach Tschernobyl und nahm diese Idee mit nach  Römerberg und betrieb die Realisierung. Bereits 1991 konnte der Pfarrgemeinderat eine erste Gruppe von Kindern zu einem Erholungsaufenthalt einladen. Seitdem wurde jedes Jahr in den Ferien eine Gruppe von etwa 32 Kindern im Alter von 10-13 Jahren mit ihren Betreuern eingeladen. Es entstand das „Berghäuser Modell“. Die Kinder sind im Pfarrheim untergebracht und werden über die Wochenenden jeweils zu zweit von Pateneltern aufgenommen.

Wichtig für das Gelingen der Aktion ist die intensive Zusammenarbeit auch mit den evangelischen Christen  sowie die außerordentliche Unterstützung durch das Ortskartell. Durch die Einladungen der Vereine erfahren wir eine spürbare finanzielle Entlastung und die Kinder werden in das Leben der Gemeinde mit eingebunden.

Autor: Dr. Bernhard Sowodniok